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Spaß mit Wolken

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Vereinzelt von unten gesehen geben sie dem Himmel Struktur und eine Illusion von Nähe und Anfassbarkeit. Ich liege auf der Wiese, im Wasser, auf einer Liege oder lege meinen Kopf in den Nacken, die Augen halb geschlossen, und interpretiere ihre Formen, weil ich nicht anders kann: Pareidolie ist einer meiner sympathischeren Zwänge.

Dinosaurier, Snoopy, Elefant, Fisch oder Dämonengesicht – die Formen und Formationen wandeln sich schneller als bei Ovid. Sie ziehen an mir vorbei oder lassen mich vorbeiziehen (bewegt sich der Zug oder der Bahnhof?) und geben mir für einen ekstatischen Moment das Gefühl, auf einem sich bewegenden Gestein zu sein. Mitten im All, umgeben von Gas, Plasma und anderen Steinbrocken. Was für eine verrückte Idee!

Sehe ich den Horizont, idealerweise in Kombination mit einem größeren Gewässer, filtern sie das Licht in dramatisch fallenden Vorhängen aus Feuchtigkeit und lassen die Sonnenstrahlen wie göttliche Finger nach Wellen, Inseln, Booten greifen.

Als geschlossene Wolkendecke hingegen verkleinern sie die Welt darunter, machen sie grau und ominös. Regen, Schnee, Sturm oder das Warten darauf schleichen sich in meine Stimmung, elektrisieren oder bedrücken mich. Der Himmel scheint nah und gleichzeitig versteckt, ohne Strukturen, an denen sich der Blick festsetzen kann: Topfdeckelwetter.

Über dem Topfdeckel wirkt die geschlossene Wolkendecke viel freundlicher. Weiß und weich wie Sahne, wie eine flauschige Decke, die man über sich ziehen, in der man sich verlieren möchte. Eine Kuschelwiese für Götter, Engel und Dämonen, für Himmelswesen, die durch die Wolken fallen müssen, bevor sie uns den Apfel oder das Feuer bringen können.

Aus der Sicht eines Flugzeugs erscheinen vereinzelte Wolken wie Sahneflöckchen auf einer nicht mehr richtig heißen Schokolade, geronnene, fluffige Fetzen, die die Welt darunter freigeben. Felder, Wälder, Straßen, Berge, Flüsse und Meer. Sie spiegeln sich in Gewässern und verlieren sich im Schnee, werfen lange Schatten und bilden ihren eigenen Horizont, durchschnitten von den Flugbahnen anderer Flugzeuge, beleuchtet von der gleisenden Sonne, die den Raum hier oben so frei wirken lässt, obwohl er unwirtlich ist, kalt und sauerstoffarm, was sich in einem modernen Flugzeug so bequem verdrängen lässt.

Dann sind sie plötzlich weg, die Wolken, und unter mir entfaltet sich das Meer, glänzend, glitzernd, weiß gezackt an den Küsten, changierend zwischen hell und dunkel, gelb, grün, blau, braun, schwarz, je nach Sonneneinstrahlung. Manchmal durchschnitten von Schiffen und den Gischtbahnen, die sie hinterlassen, so wie Flugzeuge zwischen und über den Wolken Kondensstreifen hinterlassen. Menschengemachte Strukturen, die sich im Zickzack durch die Elemente bewegen, auftauchen und wieder verschwinden, wie die Wolken selbst, kondensierte Gestaltenwandler.

Und dann kommt sie, die kleine Insel. Mitten im Meer. Sie wirkt verloren aus meiner Perspektive, obwohl sie sich sicherlich stabil und beständig seit Millionen von Jahren hier befindet. Keine unbeständige Wolkenformation, keine Chimäre, ein Haufen Stein, der sich aus auf dem großen Gestein erhebt und mit derselben Geschwindigkeit wie wir alle durchs All rast oder fliegt oder fällt, je nach Perspektive und persönlicher Stimmung.

Die Insel ist umgeben von Wasser, ohne erkennbare Spuren von menschengemachten Strukturen, tatsächlich „nur“ ein Berg, der über den Meeresspiegel ragt, kartografiert, wie fast alles kartografiert ist, aber scheinbar „ungenutzt“ durch die dominante Spezies des Planeten. Ich stelle mir vor, wie die kleine Insel Vögel und andere Wesen beherbergt, ein gleichzeitig reizarmes und reizvolles Paradies in unserer überfüllten, überformten Welt.

Die Insel strukturiert die Weite des Meers wie die einzelne Wolke die des Himmels. Für einen Augenblick werfe ich meinen visuellen Anker aus, hänge mich an die Wolke, an die Insel, bis sich die Wolke zerfasert, die Insel aus meinem kleinen Blickfeld gleitet, weil die Reise weitergeht.

Schließlich geht es wieder nach unten, unter die Wolken, weg vom Meer, bis ich auf dem Boden der angeblichen Tatsachen stehe und zum Horizont schaue, wo ein DinosaurierDämonDumbledore über die Bergkette klettert.

Wolken: ein unendlicher Spaß.

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